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Autoaggression bei Borderlinern

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Mittwoch, den 15. September 2010 um 13:44 Uhr
Geschrieben von: Marc Bohländer (Redakteur)   
Wissenschaftler gaben jetzt neue Erkenntnisse zur Selbstverletzung bei Borderlinepatienten bekannt. Autoaggression gilt als ein heraus stechendes Merkmal für die Persönlichkeitsstörung.


Dabei fügen sich die Betroffenen oft durch Ritzen selber Schäden zu. Diese oberflächlichen Schnittverletzungen an verschiedenen Regionen des eigenen Körpers haben einen entlastenden Charakter. Patienten mit Borderline-Syndrom berichten, dass sie sich nach der Selbstverletzung erleichtert fühlen und damit Druck abgebaut wurde. Ein Team um die Forscherin Inga Niedtfeld vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim stellte nun via MRT (Magnetresonanztomographie) erhöhte Aktivität einzelner Strukturen im Gehirn im Zusammenhang mit der Betrachtung bestimmter Bilder dar. Sowohl gesunde Menschen als auch Patienten mit Borderline wurden neutralen und negativ behafteten Bildern ausgesetzt. Danach wurden Wärmeimpulse an die Probanden weitergeleitet, die sowohl angenehm als auch schmerzhaft sein konnten.


Bei den Borderlinern konnte eine erhöhte Aktivität von Gehirnarealen (Amygdala, Insula und des vorderes Cingulum) verzeichnet werden – sowohl bei neutralen als auch negativen Motiven. Die Gehirnbereiche stehen dabei für emotionale Beteiligung. Die schmerzhaften Wärmeimpulse dämpften die Aktivität der oben genannten Hirnbereiche. Der Herausgeber der Zeitschrift „Biological Psychiatry“ John Krystal kommentierte diese Ergebnisse kürzlich bei Spiegel-online: „Die Ergebnisse lassen sich mit der Annahme vereinbaren, dass schmerzhafte Reize Borderline-Patienten Erleichterung verschaffen können, weil sie die für Emotionen zuständigen Hirnregionen hemmen“.

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